Brokeback Mountain

11. March 2006 von Annik
Brokeback Mountain
Bild: Tobis

Annik*****

Timo****½

DuOOOOO
4 Sterne (153 Stimmen) - Stimme auch ab!

Brokeback Mountain

Kurz gesagt: Zwei schwule Schafhirten zerbrechen an konservativen Konventionen. Goldener Löwe von Venedig, bestes Drama bei den Golden Globes, drei Oscars – Brokeback Mountain ist wohl der Film, über den dieses Jahr am meisten geredet wurde. Was an der Geschichte über zwei schwule Männer 1963 so verwerflich sein soll, ist aus heutiger (europäischer) Sicht schwer verständlich – die beiden sind Saisonarbeiter hoch oben in den Bergen und kommen sich dort eben näher.
Ein Film von Ang Lee nach der Kurzgeschichte von Pulitzer-Preisträgerin Annie Proulx. Lee inszeniert “Brokeback Mountain” wie die wahre Geschichte hinter der Marlboro Reklame, mit wunderschönen Landschaftsaufnahmen in Wyoming und einer sich langsam und zaghaft entwickelnden Freundschaft am Lagerfeuer. Gut besetzt mit Jake Gyllenhaal und Heath Ledger – wenn auch das Altern irgendwie gekünstelt wirkt. Hört Euch unbedingt das Interview mit Ang Lee an – sehr amüsant!

10 Kommentare zu “Brokeback Mountain”

  1. moschdi sagt:

    Hab Brokeback Mountain jetzt auch endlich gesehen und habe einen grundsätzlichen positiven Eindruck: Es gibt prächtige, sehr stimmungsvolle Landschaftsaufnahmen und auch die Protagonisten werden einfühlsam präsentiert. Aber irgendwie hat mich der Film nicht ganz erreicht. Fand die Handlung zwischendurch einfach etwas belanglos und unergreifend. Das Urteil der Academy ist nachvollziehbar. Im Vergleich zu den “besten Filmen” Crash, oder letztes Jahr Million Dollar Baby fehlt Brokeback Mountain ein bisschen die Dramaturgie, die packende Geschichte, die Eindringlichkeit. So bleibt ein stiller, richtig guter Film, der bedauerlicherweise verhypt und wegen der Thematik völlig unnötig zu Tode diskutiert wurde.

  2. andy sagt:

    @ moschdi

    kann deinen kommentar überhaupt nicht nachvollziehen. ich finde, BROKEBACK MOUNTAIN ist eine der ergreifendsten epen unserer zeit und noch ein stück dramatischer und wesentlich tragischer als L.A. CRASH. für mich war es im nachhinein mal wieder eine fehlentscheidung der academy, die sich dank der qualitäten von CRASH vielleicht ertragen ließe, aufgrund der offensichtlich politischen motivierung aber wohl kaum rückschlüsse auf den künstlerischen wert der nominierten filme zulässt.

    seht euch die durchschnittliche bewertung von 4 sternen an, beachtet dabei ausreißer wie moschdi, ignoriert anniks kommentar mit den angeklebten bärten (die natürlichkeit des alterungsprozesses gehört zu den stärken des films) und geht unbedingt in diesen film!!!
    mehr unter http://www.delicious-films.de/kommentar

  3. moschdi sagt:

    @andy:

    Ist doch schön, das Geschmäcker so unterschiedlich sind. :) Ich habe Brokeback übrigens auch 4 Sterne gegeben – ich sagte ja, ich finde ihn gut. Allerdings seh ich Crash deutlich vor ihm. Und das mit der “offensichtlich politischen Motivierung” der Academy halte ich für absolut lächerlich. Worauf fundierst Du den diese Offensichtlichkeit? Nur weil vielleicht nicht der thematisch progressivste Film gewonnen hat? Die positive Grundannahme, dass es der Academy um díe Qualität der Filme geht, sollte man nicht einfach verwerfen, nur weil man vielleicht nicht mit ihrem Urteil übereinstimmt.

    Das mit dem Alterungsprozess ist auch so eine Sache. Ich bin eigentlich Deiner Meinung, der Alterungsprozess wirkte auf mich sehr natürlich und nicht aufgesetzt. Allerdings war ich mit vier weiteren Personen im Kino und die fanden alle besonders Gyllenhaals Bart auch ganz unerträglich unrealistisch. Fazit: Man sollte wohl einfach tolerieren, dass es sehr unterschiedliche Meinungen zu diesem Film gibt.

  4. andy sagt:

    @ moschdi

    toleranz ist mein zweiter vorname :-)
    und bevor ich jetzt zur offensichtlich politischen motivierung der academy komme, muss ich noch vorwegschicken: ich liebe die oscar-verleihung! obwohl mir die lockere stimmung bei den golden globes noch besser gefällt. die sind einfach gelöster, frecher, politischer. warum? weil nicht so viel davon abhängt…
    der oscar ist ja nicht nur das höchste prestigeobjekt in der filmindustrie, sondern auch ein enormer wirtschaftlicher faktor für die ausgezeichneten filme. das wissen die nominierten. und das weiß jedes einzelne mitglied der academy. warum scherzte george clooney nach dem oscar-gewinn als bester nebendarsteller, dass er damit wahrscheinlich die auszeichnung als bester regisseur vergessen kann? weil es sich bei den entscheidungen von tausenden academy-mitgliedern nicht um kollektive weisheit handelt, wie es ein deutscher kritiker infolge der diesjährigen verleihung nannte, sondern um konsensentscheidungen, die in einem gewissen rahmen vielleicht sogar kalkulierbar geworden sind.

    also, warum CRASH und nicht BROKEBACK MOUNTAIN?
    1. ein wesentlicher teil der zum teil stark überalterten academy lehnte es ab, den film überhaupt anzusehen (homophobie+angst vor der demontierung des geliebten western)
    2. CRASH spielt in L.A., der wahlheimat der meisten academy-mitglieder, und behandelt ein problem, das in dieser stadt noch offensichtlicher ist als in vielen anderen großstädten
    3. CRASH musste nicht umständlich und kostenintensiv als screener an eine begrenzte anzahl academy-mitglieder verschickt werden, sondern konnte wegen seines lange zurück liegenden kinostarts einfach als dvd an alle verteilt werden
    4. der academy wurde schon im vorfeld von einer breiten öffentlichkeit vorgeworfen, sich mit den nominierungen elitär vom kinopublikum abzuheben – welches bild hätte der oscar für BROKEBACK MOUNTAIN wohl dann vermittelt? das wäre selbst-demontage. bloß nicht zu politisch, nur nicht zu abgehoben, zu publikumsfern, sonst verliert der oscar seine bedeutung.

    ich finde das offensichtlich genug. außerdem wurde gar nicht BROKEBACK MOUNTAIN als progressivster film in den usa wahrgenommen, sondern MÜNCHEN. und der hat keinen einzigen oscar gesehen.
    aber ich will überhaupt nicht auf der preisverleihung herumreiten. der eine oscar weniger für BROKEBACK MOUNTAIN macht ihn ja auch nicht schlechter. ich wollte nur betonen, dass ich ihn für den besseren film halte. und die meisten verbands- und kritikerpreise haben das im vorfeld auch bestätigt. CRASH war für die hingegen vollkommen irrelevant, weshalb er wohl auch als überraschungssieger galt. man hatte nicht damit gerechnet, obwohl man damit hätte rechnen können… als konsensentscheidung.

  5. moschdi sagt:

    @andy:
    Hm ja, Dein Kommentar zur “offensichtlich politischen Motivation” stand ja doch auf ein paar fundierteren Kenntnissen, die ich offen gestanden so nicht hatte. Möchte mich daher entschuldigen, in Deinem ersten Kommentar las sich das einfach wie eine frustige Bemerkung, die ich so nicht stehen lassen wollte.

    Gut, es gibt also ein paar Anhaltspunkte, warum man auf politische Beweggründe der Academy-Entscheidung schließen kann. Wobei ich vor allem den von Dir zuerst angeführten Punkt für besonders “schlimm” halte, wenn er denn so stimmt. Und die anderen Punkte, die Du nennst… Nun ja, es sind alles Mutmaßungen, oder? Ich meine, Du kannst nicht davon ausgehen, dass sich ein Mitglied der Academy tatsächlich davon beeinflussen lässt, dass CRASH die Probleme in der eigenen Heimatstadt behandelt und der Film bei den Mitgliedern gut ankommt, weil ihn alle jetzt als schicke DVD besitzen. Auch beim 4. Punkt kann ich mir durchaus vorstellen, dass eine Mehrheit der Academy auf den Druck aus der Presse einfach gepfiffen hat… Wie es auch immer gewesen sein mag. Ich habe mich einfach gefreut, dass CRASH die wichtigste Trophäe abgesahnt hat, weil ich das Gefühl hatte, da wird im Vorraus BROKEBACK MOUNTAIN von den Journalisten quasi zum “besten Film” geschrieben. Und das letzte Wort hat Gott sei Dank immer noch die Academy selbst – für mich eine schöne Überraschung.

    Generell sollte sich abseits von den ganzen Kritikermeinungen und Preisverleihungen sowieso jeder eine eigene Meinung bilden und sich nicht so sehr von all dem Gehörten und Gelesenen beeinflussen lassen. Auch die Kritiker sind ja alle nur Menschen und Kino ist ja doch ein hochgradig subjektives Erlebnis. Ich hab auch kein Problem damit, beispielsweise Magnolia und Fight Club nicht zu mögen. Und ich weiß, damit steh ich allein auf weiter Flur. :) CRASH hat mich einfach subjektiv sehr berührt, BROKEBACK MOUNTAIN weniger, obwohl ich seine Qualitäten durchaus sehe. Und somit freu ich mich halt etwas mehr über den Oscar, als Du. :)

  6. andy sagt:

    @ moschdi

    macht spaß mit dir. hoffentlich langweilen wir hier nicht die anderen. deshalb auch nur kurz…

    klar, 2. und 4. sind letztendlich mutmaßungen, aber nicht nur von mir. dass der film von vielen academy-mitgliedern abgelehnt wurde, ist aber leider tatsache. übrigens wurde BROKEBACK MOUNTAIN in der amerikanischen presse nicht ausschließlich gut aufgenommen. die gegenstimmen waren aber bewusst leiser, um dem film nicht noch mehr aufmerksamkeit zu schenken. hier in deutschland ist man dagegen fast einhellig positiv. das stimmt schon. ist aber auch toll, wenn so ein kleiner film, der ja eigentlich mit einem nischenthema daherkommt, so viel aufmerksamkeit erfährt. die kurzgeschichte wurde 1997 veröffentlicht und seitdem hat ang lee auch schon versucht, sie zu verfilmen. 8 jahre gegen wände rennen und dann einen film noch mit so viel liebe erzählen können. das muss doch belohnt werden.

    und zur beruhigung – ich finde MAGNOLIA ist ein durch und durch überbewerteter film. eigentlich haben mir nur ein paar schnitte gefallen, wenn endlich mal welche kamen…
    aber da wir hier ja spannend und konstruktiv bleiben wollen – ich liebe FIGHT CLUB!!! doch dazu vielleicht irgendwann später einmal mehr… :-)

  7. moschdi sagt:

    @andy:
    Wieso langweilen? Solche Kommentarfunktionen sind doch für anständige Diskussionen geschaffen worden, oder nicht? :)

    Klar, nicht nur Du hast diese Mutmaßungen über den CRASH-Sieg, auch sämtliche Journalisten und sonstige Mitmenschen, die BROKEBACK MOUNTAIN besser fanden… ;) Nein, wie gesagt, vielleicht ist da ja wirklich nicht alles so ganz fair gelaufen. Und für den sympathischen Ang Lee freut’s mich ja auch, dass nun sein Film endlich solche Aufmerksamkeit erlangt und er immerhin ja auch den nicht ganz unwichtigen Goldjungen für die Regie abgeräumt hat. Gute Filme gehen ja leider so oft unter. Das gilt übrigens auch für CRASH, der ohne diesen einen wichtigen Oscar bestimmt ganz schnell in der Versenkung verschwunden wäre.

    :) Ich bin übrigens sowieso völlig ruhig bezüglich meiner Meinung zu MAGNOLIA und FIGHT CLUB. Ist aber sehr erfrischend von Dir zu hören, dass mal einer nicht in Lobeshymnen verfällt, wenn der Titel MAGNOLIA fällt. Über FIGHT CLUB müssen wir dann wohl wirklich an anderer Stelle mal diskutieren… :)

  8. Skati sagt:

    Ich muss sagen, dass ich es schade finde, dass wir so einen Film brauchen. Er war wirklich gut und ich kann mich, im Gegensatz zu vielen anderen, auch mit den beiden Hauptpersonen identifizieren. Jeder von uns kennt doch das Gefühl eigentlich genau zu wissen was man fühlt und jetzt tun sollte, aber einfach nicht kann, weil einen die Gefühle überfordern und man wie gelähmt ist.
    Da ist es mir ganz egal, ob das zwei schwule Typen sind oder nicht. Erschreckend,dass man diesen Film als Offenbarung bezeichnet. Es ist ein wundervoller Film, aber zum Glück hat er mir nichts Neues gezeigt!

  9. Kaaran sagt:

    Ich muss Skati recht geben.
    Noch dazu fügen möchte ich, dass es leider noch immer Menschen gibt, die anderen vorschreiben wollen – und es auch tun – wie sie zu leben und zu lieben haben. Wie es Maxi Braun schrieb: “Wir verlieben uns in den Menschen und nicht in Hautfarbe, Religion, Alter oder eben das Geschlecht.”

  10. trickster sagt:

    “Vieles über einen Film zu wissen hat selten so wenig ersetzt, selber zu schauen, wie hier” (FAZ)

    Stimmt! Einer der schönsten Filme der letzten Jahre…


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