Trainspot ade

25. August 2006 von Timo

Ich kann mich nicht erinnern, ob ich mal im Podcast über Trainspot geredet habe – deswegen noch einmal in der Kurzversion:

Die Firma Trainspot, gegründet von einigen jungen Herren aus München, stellte in einigen verkehrsreichen U-Bahn-Stationen DVD-Verleihautomaten auf. Der Clou: Die Automaten sind, wie sich das für das 21. Jahrhundert gehört, miteinander vernetzt, und wissen, wo welcher Film verfügbar ist. Außerdem lassen sich die Filme am einen Automaten ausleihen und an einem anderen wieder zurückgeben. Das Preismodell war günstig, für Vielseher gab es eine Flatrate für 9 Euro im Monat, wenn ich mich richtig erinnere. Mehr bei chip.de

Der letzte Absatz steht in der Vergangenheit, weil in den letzten Tagen die Automaten abgebaut worden sind, die Website trainspot.de ist dicht, User klagen, dass die Firma nicht mehr erreichbar sei.

Im Vorfeld wurde kräftig die Werbetrommel gerührt, U-Bahnen wurden beklebt, Zeitungsartikel geschrieben. Die Firmengründer versprachen eine bessere Filmauswahl als in den bisherigen DVD-Automaten. Dann tat sich lange nichts, die Automaten standen funktionslos in den Stationen. Und nach ein paar Monaten Betrieb ist wieder Schluss.

Was ist schief gelaufen?

Die Automaten vegetierten liefen deutlich spürbar unter Windows, die Fingerabdruckleser lasen nur sehr widerwillig. Wenn sie denn lasen ,war auch erstaunlich, dass sowohl mein rechter als auch mein linker Daumen erkannt wurden. Oder jeder andere Finger. Das Interface, das in sehr ähnlicher Form auch im Web wiederzufinden war, war per Touchscreen zu bedienen, allerdings nur von sehr feinfühligen Menschen. Rutschte man während der Berührung (dem Mausklick) einen Pixel zu weit, gabs keinen Klick, der Button schwieg.

Die Filmauswahl war mit viel gutem Willen durchschnittlich. Ich kann mich nicht mehr an die einzelnen Titel erinnern, aber die Kategorie “Klassiker” war dann doch etwas sehr eigenwillig bestückt.

Das Webinterface war der Oberfläche der Automaten nachempfunden – nur leider haben sich meine Kundendaten nie im Web wiedergefunden – Die Reservierung von zu Hause ging damit auch nicht.

Es ist schon fast eine Leistung, das Interface und die Zuverlässigkeit der weit verbreiteten Automaten aus Italien zu unterbieten. Mal ganz abgesehen von der Filmauswahl – Trainspot hat es in jeder Hinsicht geschafft.

10 Kommentare zu “Trainspot ade”

  1. TomInMuc sagt:

    Ach – man kann die Automaten aus Italien in ihrer Leistungsfähigkeit und Filmauswahl noch unterbieten? Na – dann wundert es mich nicht mehr, dass Trainspot Pleite ging!

  2. lexy sagt:

    mmh, eigentlich schade, fand die Idee echt gut. Wieso bauen die die Automaten wieder ab. Kann man dich komplett weiterverkaufen. Hab die Automaten nie getestet, in der Studentenstadt gab es keinen. Aber wenn sie die Itallo-dinger noch übertroffen haben dann naja …. kann mir aber nicht vorstellen, dass man dadurch Pleite geht. Vielleicht erklärt es das ja, hab mal kurz gegoogelt:

    “Damit steigt die Zahl der DVD-Automatenstandorte in der Stadt auf 100, das ist die größte Zahl in Deutschland, so die SZ.”

    Hoffe nur für euch, dass ihr nicht gleich ein vermögen auf die Karte geladen habt. Dieses Geld scheint wohl erstmal in der Konkursmasse zu verschwinden. Betrifft aber einige, denke da wird es noch Ermittlungen bzw. Klagen geben.

    lexy

  3. lexy sagt:

    Hier mal eine gute Alternative. Wohl auch eher was für Cineasten: http://missingimage.com/location

  4. lexy sagt:

    Trainspot hat sich wohl die Automaten bauen lassen und dann geleased. (http://www.movieglobal.de/standorte.php) Würde zumindest erklären weshalb die Automaten wieder weg sind. Die Firma dürfte wohl auch ein gehöriges Interesse daran haben, ihre dadurch entstandenen Kosten wiederzubekommen.

  5. Mike sagt:

    …die Automaten waren aus Regensburg und somit ein deutsche Angelegenheit…

  6. Eric sagt:

    Ich weiß nicht was ihr alle habt, die Automaten in meiner Gegend (Würzburg) funzen prima und sind von robovideo http://www.robovideo.de/home/news.php

  7. Profimaulwurf sagt:

    Trainspot ist nicht Pleite.
    Habe grad die Handelsregistereintragungen
    durchgesehen.
    Es gab bisher nur eine Änderungen im Bereich der
    Geschäftsführung.
    Aber die Firma Trainspot in Pullach existiert nach wie vor.
    Und bei meinem Arbeitgeber ist auch nicht s von einer Pleite
    bekannt.

    Vielleicht versuchen die ja einen neuen Anlauf.

  8. Trainspotter sagt:

    Hallo, also ich weiss der Kommentar kommt bisschen spät. aber mich hat es auf ganz andere weisse beinahe getroffen.
    Da ich nämlich mitangestellt war, und zum glück noch meine letzte Gehaltsauszahlung erhalten habe, kann ich wohl glücklich sein. 3 tage später war unter der Rufnummer meines cheffes tote hose.

    gruss,

  9. SandyRox sagt:

    Ja und noch wenig später noch ein aufklärender Kommentar. Ich gehörte mit zu den Köpfen der Trainspot und kann Euch eines sagen.

    So gut wie eine Ideezu sein scheint – eine Kette ist immer so stark wie ihr schwächstes Glied. Und wenn eines dieser Glieder
    ( im Falle Trainspot waren es die Automatenbauer) zu dumm zum k***en ist und sich weder an vertragliche Abmachungen noch an
    ihr eigenes Angebot halten, geschweige denn es nichtmal hinbekommt auch nur einen funktionierenden Automaten aufzustellen
    - ja dann leiden alle darunter und die Verantwortlichen verdünnisieren sich schnellstmöglich in Ecken und Nischen so dass man sie nicht mal zur Rechenschaft ziehen kann.

    Ich hoffe ich konnte in dieser Hinsicht Allen geschädigten etwas Aufklärung leisten.

    Servus
    Euer Münchner Kindl

  10. Kevin Lomax sagt:

    Falls es noch jemanden interessiert:

    http://www.handelsregister.de/rp_web/direct-download.do;jsessionid=5C5CCD31F6553B111A10023AD6E7851F.tc05n01?id=3

    Eure Karten mit Restguthaben könnt ihr also getrost shreddern.


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